Der klassische Yoga

Der Begriff `yoga` entstammt dem indischen Kulturraum und lässt sich etymologisch aus der Sanskritwurzel `yui` ableiten. Erstmalig um ca. 1500 v. Chr. schriftlich auffindbar, stehen diese Begriffe in einem Bedeutungszusammenhang mit einem frühen indoeuropäischen Wortstamm, der sich heute noch im deutschen Begriff `Joch` finden lässt.

Die Bedeutung des Wortes `yoga` scheint in diesem Zusammenhang auf frühe Formen eines Anschirrens, einer Vereinigung oder Beherrschung von Zug- und Nutztieren an einen Wagen hinzudeuten. Symbolhaft wurde dies später als Metapher für die Philosophie und Praxis einer indischen Mystik zur Selbst- und Gotteserkenntnis als `der Yoga` bezeichnet: Durch die Zügelung und Beherrschung des Körpers und der Sinnesfunktionen sollte eine ungehinderte Erfahrung des eigenen, als göttlich verstandenen, Wesenskern (ātman) möglich werden, die eine Befreiung aus einem als leidvoll verstandenen Zyklus von Reinkarnationen des Menschen zur Folge hätte.
Als eines der sechs klassischen philosophischen Systeme Indiens (darśana) findet der Yoga dann um ca. 400-500 v. Chr. in den Yogasutras des Patanjali eine bis heute grundlegende Systematik. In einer achtstufigen Methodik von asketischen, praktisch-ethischen, körperlichen und mental-meditativen Techniken soll dieser Entwicklungsweg in einem als Erleuchtung oder Vereinigung bezeichneten veränderten Bewusstseinszustand (samādhi) zu einer transzendenten Erfahrung und Befreiung von der Weltlichkeit führen.

Im Rahmen einer volkstümlichen Ausbreitung des Yoga im 4.-6. Jahrhundert n. Chr. entstand in Form des `Tantrismus` eine stärker lebensweltlich orientierte Yogaphilosophie, die besondere mystisch-körperliche Techniken als Mittel zu einer physischen Induzierung der Samadhi-Erfahrung propagierte. Diese tantrischen Yogaformen wurden dann in vielen Umformungen zu einer als `Hatha-Yoga` bezeichneten körperorientierten Praxis die jedoch nicht mehr nahtlos mit den klassischen Traditionen der Yogaphilosophie in Verbindung stand.

Literatur:

Fuchs, Christian: Yoga in Deutschland. Rezeption, Organisation, Typologie. Stuttgart, Kohlhammer, 1990 (zugleich Dissertation Eberhard-Karls-Universität Tübingen 1989)

Schnäbele, Verena: Yogapraxis und Gesellschaft. Eine Analyse der Transformations- und Subjektivierungsprozesse durch die Körperpraxis des modernen Yoga. Hamburg, Verlag Dr. Kovač, 2009 (zugleich Dissertation Universität Hamburg 2009)
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